AKTIVITÄTEN 2018

2018 hat der Verein die kommunalwissenschaftliche Informations- und Bildungs-arbeit fortgesetzt. Für das Berichtsjahr waren folgende Maßnahmen geplant:

  1. Veranstaltung von Workshops, Seminaren, Enqueten und Diskussions-veranstaltungen, die der Erforschung und Diskussion von Fragen der Kommunal- und Gesellschaftspolitik dienen.
  2. Die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten und Publikationen zu historischen Aspekten wie aktuellen Problemen der Kommunal- und Gesellschaftspolitik.
  3. Führung einer Bibliothek, eines Archivs sowie die Erstellung von Dokumentationen.
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Enqueten, Workshops und Diskussionsveranstaltungen

Salongespräch „What’s left? – Chancen und Risiken linker Politik heute“

23. Mai 2018, 19.00 Uhr

Dem Stil eines Salongesprächs entsprechend in einer Privatwohnung referierte Univ.-Prof. Dr. Alfred J. Noll, Abgeordneter zum Nationalrat (Liste Pilz/Jetzt), über Wesen und Chancen „linker“ Politik. Deren Aufgabe müsse es sein, den Menschen Perspektiven im Hinblick auf die technologischen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen und Nöte zu vermitteln. Er hob dabei drei Aspekte besonders hervor. Zum einen gelte es, dem ungehinderten Prozess der Monetarisierung und Kommerzialisierung aller Lebensbereiche entgegenzusteuern. Was sich nicht verkaufen lasse, das zähle nicht mehr. Zweitens sprach er den Prozess der Prekarisierung an. Die Menschen verlieren seiner Ansicht nach die Zuversicht, dass sie für sich selber eine Lebensperspektive entwickeln können, dass sie durch ihre berufliche Ausbildung für den Verlauf ihres Lebens, aber auch für den Verlauf des Lebens ihrer Kinder etwas sichern können. Das alles finde vor einem Prozess der Digitalisierung, der Automatisierung und der Robotisierung statt. Zum dritten betonte der Jurist den Wert der Rechtsstaatlichkeit und kritisierte die Unterdotierung der Justiz. Was den Umgang mit den Grund- und Freiheitsrechten anbelangt, so sei zu befürchten, dass sich dieser in den kommenden zehn Jahren noch weiter verschlechtern wird. Er forderte mehr Respekt vor den Grund- und Freiheitsrechten ein und wies auf die Einschränkung der Freiheit durch Überwachungsmaßnahmen hin. Ein sensiblerer Umgang mit der Pressefreiheit und der anwaltlichen Verschwiegenheit sei ebenfalls dringend nötig, genauso wie Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Rechtssicherheit juristischer Personen bestünde. Dem Impuls folgte eine rege Diskussion zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen.

Modul „Politische Bildung und kommunale Demokratie“

(in Kooperation mit der Stadtakademie, 26. Mai 2018, 10.00 Uhr)

Die kommunale Demokratie ist eine wesentliche Säule des politischen Systems Österreichs. Auf keiner anderen Verantwortungsebene sind die Bürgerinnen und Bürger der Politik so nahe, sind sie von politischen Entscheidungen so unmittelbar betroffen, können sie aber auch vielfältig mit beeinflussen. Mehr denn je ist die kommunale Demokratie daher auf engagierte Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die durch qualifizierte Mitwirkung zur positiven Weiterentwicklung ihrer Kommune beitragen.

Dies erfordert aber Wissen um die Einbettung der kommunalen Demokratie in die verfassungsrechtlich vorgegebenen Strukturen und Prozesse. In dem ganztägigen Seminar wurden folgende Schwerpunkte vermittelt:

  • Politische Grundbegriffe (Wie definieren sich Staat, Demokratie usw.?)
  • Unterschiede repräsentativer und direkter Demokratie
  • Bundesverfassung (Was steht in einer Verfassung?, Grundprinzipien, Kompetenzaufteilung, Grund- und Freiheitsrechte, Neutralität)
  • Gesetzgebung (Nationalrat, Bundesrat, Entstehung von Gesetzen, Stufenbau der Rechtsordnung)
  • Verwaltung (Grundsätze der Verwaltung, Bundespräsident, Bundesregierung, Landesregierungen, mittelbare – unmittelbare Verwaltung)
  • Wesen der Gemeindeautonomie
  • Gerichtsbarkeit
  • Träger der Politik: Parteien, Interessenvertretungen, Sozialversicherung, Verhältnis Staat – Kirche, Medien
  • Österreich in Europa

Am Ende des Seminars galt es, den theoretischen Input mittels Planspielen in der „Praxis“ umzusetzen – als Möglichkeit, das politische Blickfeld zu erweitern, Detailfragen zu beleuchten sowie die eigene Diskussions- und damit Handlungsfähigkeit im Rahmen politischer Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse zu stärken.

Beteiligung am Stadtfest Wien mit einer eigenen Station

(1. September 2018, Columbusplatz)

2017 wurde das Stadtfest Wien einem umfassenden Relaunch und einer grundlegende Modernisierung unterzogen. Diese Linie wurde 2018 fortgeführt. Nach dem Motto „1 Fest – 5 Schauplätze – 50 Erlebnisse“ war auch das 34. Stadtfest am 1. September 2018 dezentral konzipiert und breit über die Stadt verteilt. Im Zentrum stand die Förderung von Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern. Neben bekannten Gesichtern und arrivierten Stimmen gab es Platz für weniger bekannte, avancierende Newcomer. Das Stadtfest umfasste fünf Schauplätze und eine diese verbindende Straßenbahnlinie („Stadtfest-Bim“), in der ebenfalls Programm geboten wurde. Der Mix aus Kunst und Artistik, Information und Service sowie Unterhaltendem und Berührendem sollte es ermöglichen, individuelle Wege im Besuch zu beschreiten und neue Perspektiven zu eröffnen.

Modern Society beteiligte sich an dieser neuen Form des Stadtfestes mit einem Informationsstand am Stadtfest-Campus in der Gösserhalle und mobiler Information in der Stadtfest-Straßenbahn. Dabei wurde über die Ziele und Aktivitäten des Vereins informiert und das Gespräch über kommunale Anliegen geführt wurde. Einen besonderen Stellenwert nahmen selbstverständlich Informationen über die Förderaktion von Masterarbeiten und Dissertationen durch den Verein (siehe unten) ein.

Workshops „Aspekte der Grätzel – Aufbruch im Grätzel“

(10. November 2018, 10.00 Uhr & 24. November 2018, 10.00 Uhr)

Nicht mehr bloß die Stadt oder der Bezirk alleine sind wichtig, um sich im urbanen Bereich mit seinem Wohnort zu identifizieren. Ungebrochen ist die Verbundenheit mit den Mikroumgebungen (in Wien: „Grätzeln“). In der Regel ist in diesem alles zu FuІ zu erreichen und eine vollständige Infrastruktur vorhanden. Grätzel verschwinden oder entstehen durch die sich stetig verändernde Bausubstanz und ab- bzw. zuziehende Bevölkerung. Wenn ein neues Viertel geschaffen wird, oder auch ein altes aufgewertet wird, kann in dem Gebiet neues soziales Leben entstehen. Wesentlich für die Grätzelbildung ist die Kontaktaufnahme unter den Bewohnerinnen und Bewohnern, sowie den Unternehmerinnen und Unternehmern. Das Zugehörigkeits- bzw. Nachbarschaftsgefühl fördert die positive Entwicklung der Umgebung und trägt maßgeblich zur Steigerung der Lebensqualität bei.

Bei den Workshops ging es um die Frage, was Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zur positiven Entwicklung verschiedenster Umgebungen beitragen könnten. Dabei wurde klar, dass der positiven Bezug zur Gegend vor allem von der Kommunikation abhängig ist. Deshalb stand gerade auch im Kampf gegen die Anonymisierung und potenzielle Vereinsamung in der Großstadt die Frage eines zentralen Treffpunkts in jedem Grätzel, an dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner begegnen können, im Mittelpunkt. An diesem „Hauptplatz“ sollte es eine Tafel mit einem Grätzelplan sowie wichtigen Informationen seitens des Bezirks geben. Neuigkeiten könnten so schnell und direkt an die Bewohnerinnen und Bewohner weitergegeben werden. Weitere Ideen waren die Erstellung und Betreuung einer gemeinsamen Facebook-Seite, auf der Aktionen, Ideen, Veranstaltungen und Vorschläge im und für das Grätzel gepostet, aber auch (informelle) Abstimmungen über Veranstaltungen durchgeführt werden könnten. Als Beispiele wurden ein „Grätzel-Kino“ oder „Grätzel Konzerte“ als Plattform für alle Musikerinnen und Musiker aus dem Einzugsgebiet genannt. Auch ein gemeinsam betriebenes Garten-Projekt („Grätzel-Gardening“) und jährliche Grätzelfeste wurden als Möglichkeiten der Vernetzung erarbeitet.

Salongespräch „What’s right? – Chancen und Risiken rechter Politik heute“

(27. November 2018, 19.00 Uhr)

Als Kontrapunkt zum Salongespräch im Frühjahr lag es an diesem Abend bei Vinzenz Stimpfl-Abele, Kommunikationsberater und Prokurator des St. Georgs-Ordens – Ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen, Wesen und Chancen „rechter“ Politik zu thematisieren und zur Diskussion zu stellen. In das Zentrum seiner Ausführungen stellte er den Schutz von Werten, gerade in einer immer mehr zerfallenden, hedonistischen Gesellschaft. Blindem Nationalismus stellte er einen neuen Typus von positivem Patriotismus gegenüber, der gleichzeitig Bindung an die individuellen eigenen Wurzeln und Stolz auf das gemeinsame Europa bedeutet. Dies sei der einzige Weg, die Diversität und die Unterschiedlichkeiten unseres Kontinents auf Basis verbindender Werte zur zentralen Stärke Europas zu machen. Als fundamentale Grundlage, auf der Europa ruht, machte der Impulsreferent das Christentum aus, das es für nachkommende Generationen zu tradieren gelte. Toleranz müsse gerade Intoleranten gegenüber klare Grenzen haben, will man sich behaupten. Das erfordere Position zu beziehen, ohne auf jeden Windhauch reagieren. In diesem Zusammenhang bekannte er sich zum Begriff der Elite im Sinn von verantwortungsbewusst kritisch sein. Das heiІe, vor einer Bewertung von politischen oder gesellschaftlichen Ereignissen und Entwicklungen genauer hinzusehen und sich nicht von Images und Trends beeinflussen oder von isolierten Teilaspekten leiten zu lassen. Auf komplexe Fragen gebe es selten simple Antworten, für vielschichtige Probleme selten einfache LЪsungen. Auch an diesem Abend entwickelte sich nach dem Impuls eine rege Diskussion, die weit in den Abend hinein dauerte.

Förderung wissenschaftlicher Arbeiten und Publikationen

Druckkostenbeitrag für das Jahrbuchs für politische Beratung 2017/2018

Der Verein unterstützte die Drucklegung des „Jahrbuchs für politische Beratung 2017/2018 – Zeit und Geist in Mitteleuropa“. Zentrale These des Werks ist die Differenzierung zwischen Politik und dem Politischen: Je ratloser Politik (im engeren Sinn) auftritt, umso mehr gewinnt (im weiteren Sinn) politischer Rat an Bedeutung. Politische Beratung, wie der Sammelband sie aufzuzeigen versucht, geht zwar nicht unbedingt von (Alltags-)Politik aus, richtet sich aber zumindest bedingt an sie. Sie reicht vom abstrakten zum konkreten, vom idealistischen zum realistischen bzw. vom theoretischen zum praktischen Rat und dient somit der Stärkung der Demokratie sowie dem Dialog zwischen Österreichischen und mitteleuropäischen Akteurinnen und Akteuren.
In den das Buch gliedernden Abschnitten Agorá, Forum und Market spannt sich in kompetenten Beiträgen allegorisch ein weiter Bogen von der abstrakten Philosophie und Politologie über Kunstschaffen, Wissenschaft, Medien, Bürgersinn und Zivilcourage als direkte oder indirekte Berater und Beraterinnen bis hin zum konkreten Spiel von Angebot und Nachfrage in der Gestalt von Consulting und Lobbying, nicht zuletzt auch durch NGOs und andere Repräsentanten der Zivilgesellschaft. Unter den insgesamt 35 Autorinnen und Autoren befinden sich unter anderem die ehemalige Botschafterin Magdaléna Vášáryová, die früheren Landeshauptleute Waltraud Klasnic und Luis Durnwalder, die Dirigentin Nazanin Aghakhani, der Wirtschaftsforscher Karl Aiginger, der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier, die Cyberpsychologin Catarina Katzer, der evangelische Theologe Ulrich Körtner, der Intendant der Reichenauer Festspiele Peter Loidolt, der Philosoph Robert Pfaller, die Antisemitismus-Beauftragte der EU Katharina von Schnurbein, der deutsche Kulturwissenschaftler Jan Söffner sowie viele andere.

Schülerinnen- und Schülerumfrage

In Kooperation mit der Schülerunion Wien wurde eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern der AHS-Oberstufe und BHS lanciert, die auf die Themenbereiche Digitalisierung (Vermittlung von Gefahren und Vorteilen, Einsatz digitaler Hilfsmittel im Unterricht), Schulausstattung (Tische, Ausruhmöglichkeit, Sessel, Whiteboard, Computer, Beamer, Jalousien etc.), Berufsorientierung (Kenntnis und Vermittlung von Ausbildungswegen) sowie Vermittlung von EU-Kompetenz (Kenntnis der Strukturen und Aufgaben der Europäischen Union) fokussiert.

Die Auswertung der Befragung war zu Jahresende noch nicht abgeschlossen und soll 2019 im Rahmen einer aufbereiteten Studie präsentiert werden.

Förderaktion von Masterarbeiten und Dissertationen

Neue gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Fragen bedürfen neuer Antworten. In diesem Sinne fühlt sich der Verein Modern Society in besonderer Weise der Förderung der Studierenden und ihrer Arbeit zu geistes-, sozial-, wirtschafts- und kommunalwissenschaftlichen Fragen verbunden. Der Verein vergibt Stipendien in der Höhe von 1.500 Euro für Masterarbeiten bzw. 2.000 Euro für Dissertationen zu ausgewählten Themen. Interessierte Studierende können sich unter Angabe eines Lebenslaufes, Zeitplans und Konzepts für eines der ausgeschriebenen Themen bewerben. Über die Vergabe entscheidet ein unabhängiger Beirat, bestehend aus

  • Univ.-Prof. Dr. Franz Schausberger
  • Mag. Christoph Neumayer
  • Mag. Gerald Grünberger.

Das Jahr 2018 wurde genutzt, um die Aktion allgemein bekannt zu machen und auf verschiedenen Kanälen zu bewerben. Dem diente nicht nur ein Informationsstand auf dem Stadtfest (siehe oben), sondern auch der Druck von Flyern und Plakaten zur Verteilung an Universitäten sowie eine Bewerbung im Studienkalender 2018/2019.

Bibliothek/Archiv

Der Schwerpunkt der erworbenen Titel lag auf rechtswissenschaftlichen Werken. Für ausgewählte Bereiche der Kommunal- und Gesellschaftspolitik besteht ein Archiv an Zeitungs- und Fachzeitschriftenartikeln. Folgende Titel werden ausgewertet:

  • Kronen Zeitung
  • Kurier
  • Österreich
  • Die Presse
  • Salzburger Nachrichten
  • Der Standard
  • Wiener Zeitung
  • Falter
  • Furche
  • News
  • Profil
  • Spiegel
  • Trend
  • Die Zeit

Sonstiges

Die Modernisierung im Auftritt unseres Vereins wurde durch Gestaltung einer neuen Website (www.modernsociety.at) sowie die Anschaffung eines mobilen Computers (Mac Book) vorangetrieben. Außerdem erforderte die Erstellung eines neues Konzeptes zur Nutzung der in Besitz des Vereins stehenden Immobilien Mehrausgaben für rechtliche Beratung und Schätzgutachten.

Mertens

Prof. Mag. Christian Mertens
Geschäftsführer